Übersicht Zirkulationspumpe

Dieser Funktionsbaustein steuert die Zirkulationspumpe der Warmwasserleitung. Sie sorgt dafür, dass an der Zapfstelle sofort warmes Wasser kommt - und sie ist zugleich einer der größten versteckten Energieverbraucher im Haus: eine Pumpe, die durchläuft, kostet im Jahr mehr als die gesamte Beleuchtung eines Einfamilienhauses.

Der Baustein kennt drei Betriebsarten, die einzeln zuschaltbar sind und sich überlagern dürfen. Die Pumpe läuft, sobald mindestens eine eingeschaltete Bedingung zutrifft:

Zeitprogramm - die Pumpe läuft innerhalb der Freigabezeit am Eingang ZP, wahlweise durchgehend oder im Takt.
Anforderung - ein Druck auf einen Taster oder eine vom Strömungsschalter erkannte Zapfung lässt die Pumpe eine eingestellte Zeit laufen.
Temperatur - wird der Zirkulationsrücklauf zu kalt, läuft die Pumpe, bis er den Sollwert wieder erreicht.

Vorgabe ist nur das Zeitprogramm mit Dauerlauf. Damit verhält sich der Baustein wie eine von Hand gebaute Lösung aus Schaltuhr und Pumpe. Wer mehr will, schaltet es zu.

Die Empfehlung für den Wohnbau ist Zeitprogramm + Anforderung: tags ein kurzer Takt, nachts aus - und wer nachts duscht, drückt den Taster. Die Temperaturvariante gehört eher in den Zweckbau, wo die Leitungslängen eine Rolle spielen.

Dazu kommen Mindestlaufzeit und Mindeststillstandszeit, eine wöchentliche Antiblockierfunktion, die Betriebsstunden der Pumpe und eine Wartungsmeldung.

Ein eigenes Bedienelement gibt es nicht. Für die Visualisierung genügen eine Textanzeige am Ausgang ST und Wertanzeigen an LZ und BT. Die Variable für den Statustext muss vom Datentyp Zeichenkette sein. Legt man den Eingang TA auf eine Adresse, wird aus einem Schaltflächen-Element der Visualisierung ein Warmwasser-Anforderungstaster.

Ablauf

Zeitprogramm. Steht am Eingang ZP ein Wert ungleich 0, gilt die Freigabezeit. Bei Dauerlauf läuft die Pumpe die ganze Zeit über. Bei Taktbetrieb wechselt sie innerhalb der Freigabezeit zwischen Einschaltdauer und Pausendauer. Der Takt beginnt beim Wechsel von ZP auf ungleich 0 immer mit der Einschaltdauer - sonst begonne das Zeitfenster mit einer Pause und das erste Zapfen liefe ins Leere. Fällt ZP weg, endet der Takt.

Anforderung. Ausgewertet wird jeder Druck auf den Taster am Eingang TA und jede erkannte Zapfung am Eingang SS. Liegt der Eingang auf einer Adresse, zählt jedes Telegramm mit einem Wert ungleich 0 - ein Taster sendet bei jedem Druck dieselbe 1, der Wert ändert sich also gar nicht. Ist der Eingang dagegen mit einer gezeichneten Verbindung belegt, zählt der Wechsel von 0 auf ungleich 0.

Eine Anforderung setzt die Restlaufzeit auf die eingestellte Laufzeit. Sie wird dabei neu gesetzt und nie addiert: ein prellender Strömungsschalter liefert bei einer kurzen Zapfung mehrere Auslösungen hintereinander, die Pumpe soll deshalb nicht immer länger laufen. Ist Nachtriggern abgeschaltet, wird eine Anforderung ignoriert, solange die alte noch läuft.

Nach dem Ende der Laufzeit beginnt die Sperrzeit. So lange wird keine neue Anforderung angenommen. Das ist kein Komfortverlust, sondern notwendig: ohne Sperrzeit hält wiederholtes Drücken die Pumpe stundenlang in Betrieb.

Temperatur. Fällt der Rücklauf am Eingang RT unter Sollwert minus Einschaltdifferenz, läuft die Pumpe. Abgeschaltet wird, sobald der Rücklauf den Sollwert erreicht. Den Sollwert liefert der Eingang SO; ist er nicht verknüpft oder steht er auf 0, gilt der Parameter.

Diese Betriebsart braucht eine Mindestlaufzeit. Der Fühler sitzt hinter der Pumpe und reagiert sofort, sobald warmes Wasser an ihm vorbeikommt - ohne Mindestlaufzeit taktet die Pumpe im Sekundenbereich.

Sonderbetrieb. Der Eingang ZS meldet einen Sonderbetrieb der Warmwasserbereitung, typisch eine Legionellenausheizung. Was dann geschieht, legt der Parameter fest. Mitlaufen ist die fachlich richtige Vorgabe: die Zirkulationsleitung muss mit ausgeheizt werden, denn wer nur den Speicher ausheizt, hat das Problem anschließend weiterhin in der Leitung. Die Pumpe wird dann zwingend eingeschaltet, unabhängig von allen anderen Bedingungen.

Verbrühungsschutz ist nicht Aufgabe dieses Bausteins. Eine Anlage, die auf 65 °C ausheizt, braucht eine Mischautomatik an der Zapfstelle.

Mindestzeiten. Die Mindestlaufzeit hält die laufende Pumpe fest, auch wenn die Bedingung schon wieder weggefallen ist. Die Mindeststillstandszeit verzögert den Anlauf nach dem Abschalten. Der Laufwunsch geht dabei nicht verloren - die Pumpe läuft nach Ablauf der Zeit von selbst an, ohne dass etwas erneut auslösen müsste. Beide Zeiten sind ab Werk 0.

Antiblockierfunktion. Zum eingestellten Wochentag und zur eingestellten vollen Stunde läuft die Pumpe für die eingestellte Dauer, damit sie nach einer langen Stillstandszeit nicht festsitzt. Der Freifahrlauf startet nur bei stehender Pumpe und wird sofort abgebrochen, sobald eine der Betriebsarten die Pumpe ohnehin anfordert.

Betriebsstunden und Wartung. Der Ausgang BT zählt die Laufzeit der Pumpe in Stunden. Der Wert übersteht einen Neustart der Steuerung. Ist ein Wartungsintervall eingestellt, meldet der Ausgang WA eine fällige Wartung, sobald seit der letzten Quittierung so viele Betriebsstunden vergangen sind. Eine Flanke am Eingang QU quittiert; der aktuelle Stand wird dabei zum neuen Nullpunkt, die Betriebsstunden selbst laufen weiter.

Sperre. Fehlt die Freigabe am Eingang FR oder steht am Eingang SP eine Sperre an, geht die Pumpe aus, alle Zeiten werden zurückgesetzt und ein laufender Freifahrlauf wird abgebrochen. Die Betriebsstunden bleiben erhalten.

Beispiel

Einfamilienhaus. Betriebsart Zeitprogramm und Anforderung eingeschaltet, Temperatur aus. Zeitprogramm auf Taktbetrieb mit 3 Minuten ein und 12 Minuten aus. Eine Schaltuhr gibt über ZP die Zeiten 6:00 bis 8:30 und 17:00 bis 22:00 frei. Laufzeit nach Anforderung 3 Minuten, Sperrzeit 10 Minuten, ein Taster im Bad liegt auf TA.

Tagsüber steht damit warmes Wasser bereit, ohne dass die Pumpe durchläuft. Wer nachts duscht, drückt den Taster und hat nach kurzer Zeit warmes Wasser. Die Pumpe läuft am Tag statt 16 Stunden nur gut 3.

Zweckbau mit langen Leitungen. Zusätzlich die Betriebsart Temperatur einschalten, einen Fühler am Zirkulationsrücklauf auf RT legen, Sollwert 45 °C, Einschaltdifferenz 5 K und Mindestlaufzeit 2 Minuten. Damit wird die Leitung auch dann warm gehalten, wenn das Zeitfenster gerade geschlossen ist.

Zusammenspiel mit der Warmwasserbereitung. Die Adresse, mit der die Boilerladung ihre Legionellenausheizung startet, legt man zusätzlich auf den Eingang ZS und lässt das Verhalten auf mitlaufen stehen. Dann wird die Zirkulationsleitung bei jeder Ausheizung mitausgeheizt.

Eingänge

ZP
Zeitprogramm Freigabe
Ungleich 0 gibt die Freigabezeit frei, 0 beendet sie. Beim Wechsel von 0 auf ungleich 0 beginnt der Takt mit der Einschaltdauer. Wirkt nur, wenn die Betriebsart Zeitprogramm eingeschaltet ist. Optional. Nicht verknüpft: es gibt kein Zeitfenster, die Betriebsart Zeitprogramm läuft dann nie.
TA
Anforderung Taster
Startet die Laufzeit nach Anforderung. Liegt der Eingang auf einer Adresse, wird jedes Telegramm mit einem Wert ungleich 0 ausgewertet - auch ein zweites mit demselben Wert. Bei einer gezeichneten Verbindung wird der Wechsel von 0 auf ungleich 0 ausgewertet. Wirkt nur, wenn die Betriebsart Anforderung eingeschaltet ist, und nur solange keine Sperrzeit läuft. Optional. Nicht verknüpft: es wird nie über den Taster angefordert.
SS
Strömungsschalter
Wie TA, nur für eine vom Strömungsschalter erkannte Zapfung. Mehrere Auslösungen kurz hintereinander - ein prellender Schalter - setzen die Restlaufzeit jeweils neu, sie addieren sie nicht. Optional. Nicht verknüpft: es wird nie über eine Zapfung angefordert.
RT
Rücklauftemperatur
Gemessene Temperatur des Zirkulationsrücklaufs in °C. Ein Wert unter -50 oder über 150 gilt als Fühlerbruch; der Statustext meldet das und die Betriebsart Temperatur bleibt aus. Optional. Nicht verknüpft: die Betriebsart Temperatur ist wirkungslos, auch wenn sie eingeschaltet ist.
SO
Sollwert Rücklauf
Sollwert der Rücklaufüberwachung in °C. Wirkt nur mit einem Wert ungleich 0 - 0 gilt als noch nicht eingetroffen. Damit lässt sich der Sollwert aus der Visualisierung heraus verstellen. Optional. Nicht verknüpft oder 0: es gilt der Parameter Sollwert Rücklauf.
ZS
Zirkulation Sonderbetrieb
Ungleich 0 meldet einen Sonderbetrieb der Warmwasserbereitung, typisch eine Legionellenausheizung. Bei der Einstellung mitlaufen wird die Pumpe dann zwingend eingeschaltet, bei der Einstellung aus zwingend abgeschaltet - beides schlägt alle anderen Bedingungen. Optional. Nicht verknüpft: es gibt nie einen Sonderbetrieb.
FR
Freigabe
Ungleich 0 gibt den Baustein frei, 0 sperrt ihn. Gesperrt geht die Pumpe aus und alle Zeiten werden zurückgesetzt. Optional. Nicht verknüpft: der Baustein gilt als freigegeben.
SP
Sperren
Ungleich 0 sperrt den Baustein, 0 gibt ihn frei. Wirkt wie eine fehlende Freigabe. Optional. Nicht verknüpft: nie gesperrt.
QU
Quittierung Wartung
Ausgewertet wird der Wechsel von 0 auf ungleich 0. Der aktuelle Betriebsstundenstand wird zum neuen Nullpunkt der Wartungsmeldung; der Zähler am Ausgang BT läuft unverändert weiter. Optional. Nicht verknüpft: die Wartungsmeldung lässt sich nur durch Ändern des Wartungsintervalls zurücksetzen.

Ausgänge

PU
Zirkulationspumpe
1 solange die Pumpe laufen soll, sonst 0.
LZ
Restlaufzeit
Restlaufzeit der Anforderung in Sekunden. Läuft gerade keine Anforderung, steht hier im Taktbetrieb die Restzeit des laufenden Taktabschnitts, sonst 0.
ST
Statustext
Klartext für eine Textanzeige, zum Beispiel "läuft (Zeitprogramm)", "läuft (Anforderung, noch 3:20)", "läuft (Rücklauf 38.0 C unter 42.0 C)", "aus (Takt, Pause noch 8:30)" oder "gesperrt (Ausheizung)". Die Variable muss vom Datentyp Zeichenkette sein.
BT
Betriebsstunden
Laufzeit der Pumpe in Stunden. Wird minutenweise fortgeschrieben und übersteht einen Neustart der Steuerung.
WA
Wartung fällig
1 sobald seit der letzten Quittierung so viele Betriebsstunden vergangen sind wie im Wartungsintervall eingestellt, sonst 0. Ohne eingestelltes Intervall immer 0.

Parameter

Zeitprogramm
Schaltet die Betriebsart Zeitprogramm ein. Vorgabe eingeschaltet.
Anforderung
Schaltet die Betriebsart Anforderung ein. Vorgabe ausgeschaltet.
Temperatur
Schaltet die Betriebsart Temperatur ein. Vorgabe ausgeschaltet.
Art des Zeitprogramms
Dauerlauf: die Pumpe läuft die ganze Freigabezeit. Taktbetrieb: sie läuft innerhalb der Freigabezeit abwechselnd. Vorgabe Dauerlauf.
Takt Einschaltdauer
Laufzeit je Takt. Die Freigabezeit beginnt immer mit dieser Laufzeit. Vorgabe 180 s.
Takt Pausendauer
Stillstandszeit zwischen zwei Takten. Vorgabe 720 s.
Laufzeit nach Anforderung
So lange läuft die Pumpe nach einer Anforderung über TA oder SS. Vorgabe 180 s.
Nachtriggern erlaubt
Ja: eine erneute Anforderung setzt die Laufzeit neu. Nein: sie wird ignoriert, solange die alte noch läuft. Die Laufzeit wird in keinem Fall addiert. Vorgabe ja.
Sperrzeit nach Anforderung
So lange nach dem Ende wird keine neue Anforderung angenommen. 0 schaltet die Sperre ab - dann hält wiederholtes Drücken die Pumpe beliebig lange in Betrieb. Vorgabe 600 s.
Sollwert Rücklauf
Ab dieser Temperatur gilt die Zirkulationsleitung als warm. Gilt nur, wenn der Eingang SO nicht verknüpft ist oder auf 0 steht. Vorgabe 45 °C.
Einschaltdifferenz
So weit darf der Rücklauf unter den Sollwert fallen, bevor die Pumpe anläuft. Abgeschaltet wird beim Erreichen des Sollwertes. Vorgabe 5 K.
Mindestlaufzeit
So lange läuft die Pumpe mindestens, auch wenn die Bedingung schon wieder weggefallen ist. Bei der Betriebsart Temperatur unbedingt setzen: der Fühler sitzt hinter der Pumpe und reagiert sofort, ohne Mindestlaufzeit taktet sie. Vorgabe 0 s.
Mindeststillstandszeit
So lange bleibt die Pumpe nach dem Abschalten mindestens stehen. Der Laufwunsch geht dabei nicht verloren - die Pumpe läuft nach Ablauf der Zeit von selbst an. Vorgabe 0 s.
Verhalten bei Sonderbetrieb
Mitlaufen: der Eingang ZS schaltet die Pumpe zwingend ein, die Zirkulationsleitung wird also mit ausgeheizt. Aus: der Eingang ZS schaltet die Pumpe ab. Vorgabe mitlaufen.
Antiblockierfunktion
Bewegt die Pumpe einmal wöchentlich, damit sie nach einer langen Stillstandszeit nicht festsitzt. Läuft nur bei stehender Pumpe. Vorgabe eingeschaltet.
Antiblockierfunktion Wochentag
Wochentag des Freifahrlaufs. Vorgabe Sonntag.
Antiblockierfunktion Uhrzeit
Volle Stunde, zu der der Freifahrlauf startet. Vorgabe 10 Uhr.
Antiblockierfunktion Dauer
Laufzeit der Pumpe beim Freifahrlauf. Vorgabe 60 s.
Wartungsintervall
Nach so vielen Betriebsstunden meldet der Ausgang WA eine fällige Wartung. 0 schaltet die Meldung ab. Vorgabe 0 h.

Siehe auch: Boilerladung, Schaltuhr, Treppenlichtzeitschalter, Wärmeerzeuger

Siehe auch allgemeine Parameter aller Funktionsbausteine.