Übersicht Wärmeanforderung

Dieser Funktionsbaustein sammelt die Wärmeanforderungen mehrerer Verbraucher - Heizkreise, Warmwasser, Estrichprogramm, Poolheizung - und meldet dem Erzeuger eine einzige Anforderung. Er bildet das Maximum der gewünschten Temperaturen und entscheidet, wer Vorrang hat.

Jede Anforderung besteht aus zwei Größen: einem Bit "ich brauche Wärme" und der gewünschten Vorlauftemperatur am Erzeuger. Genau diese Form liefern Heizkreis und Boilerladung an ihren Ausgängen, und genau diese Form erwartet der Wärmeerzeuger an seinen Eingängen.

Ein Verbraucher, der nur eine Temperatur liefert, lässt sich trotzdem direkt anschließen. Bleibt der Bit-Eingang einer Anforderung unbelegt, gilt eine Temperatur größer 0 als Anforderung. Damit hängt man die Heiz+Kühlkurve, die genau einen Ausgang hat, ohne Vergleicher davor an. Die Kurve legt ihren Ausgang auf 0, sobald ihre Freigabe wegfällt - damit endet auch die Anforderung.

Die Anzahl der Anforderungen ist von 2 bis 8 einstellbar; je Anforderung entstehen zwei Eingänge. Reichen acht nicht aus, darf ein Sammler in einen weiteren Sammler gehen - Kaskadierung ist ausdrücklich erlaubt.

Ein eigenes Bedienelement gibt es nicht. Für die Visualisierung genügen eine Textanzeige am Ausgang ST und Wertanzeigen an AT, AP und VR. Die Variable für den Statustext muss vom Datentyp Zeichenkette sein.

Ablauf

Gilt die Anforderung? Ist der Bit-Eingang verknüpft, entscheidet allein das Bit - eine Temperatur ohne gesetztes Bit löst dann nichts aus. Ist der Bit-Eingang nicht verknüpft, zählt eine verknüpfte Temperatur größer 0 als Anforderung; so kommt ein Verbraucher mit nur einem Ausgang ohne Vergleicher aus. Sind beide Eingänge unbelegt, zählt die Anforderung nie - ein unbelegter Eingang liefert 0 und wäre sonst nicht von einem echten Wert zu unterscheiden. Ist eine Freigabeverzögerung eingestellt, muss das Bit so lange ununterbrochen anstehen, bevor die Anforderung zählt. Fällt es zwischendurch weg, beginnt die Verzögerung von vorn.
Vorrang. Jede Anforderung trägt eine Vorrangart. Kein Vorrang heißt, sie zählt wie jede andere. Nur melden heißt, sie erscheint am Ausgang VR und im Statustext, verdrängt aber niemanden. Unterdrückend heißt, dass solange sie ansteht nur sie zählt - genau das braucht die Warmwasserladung. Melden mehrere Anforderungen zugleich einen unterdrückenden Vorrang, gewinnt die mit der niedrigsten Nummer.
Vorrang Maximaldauer. Ein unterdrückender Vorrang sperrt die anderen Anforderungen höchstens so lange. Danach werden alle wieder bedient, bis die Vorranganforderung einmal weggefallen ist. Das ist kein Luxus: ohne diese Grenze sperrt ein defekter Warmwasserfühler die Heizung im Januar tagelang. Solange eine Vorranganforderung auf diese Weise stillgelegt ist, steht im Statustext "Vorrang abgelaufen".
Anforderungstemperatur. Zu jeder geltenden Anforderung kommt ihre Überhöhung; aus allen zählenden Anforderungen wird das Maximum gebildet und auf Anforderung minimal und maximal begrenzt. Das Ergebnis steht am Ausgang AT. Fordert niemand an, steht dort Anforderung minimal.
Nachlauf. Der Ausgang AN steht auf 1, solange mindestens eine Anforderung zählt. Fällt die letzte weg, bleibt AN noch die Nachlaufzeit stehen und AT hält dabei seinen letzten Wert - fiele AT sofort auf das Minimum, kühlte der Erzeuger im Nachlauf aus. Der Nachlauf gehört bewusst hierher und nicht in den Erzeuger, sonst liefe er auch dann, wenn der Erzeuger von Hand abgeschaltet wird. Sperren beendet den Nachlauf sofort.
Prozentausgang. Manche Geräte wollen die Anforderung als Prozentwert. Der Ausgang AP rechnet die Anforderungstemperatur linear zwischen zwei Stützpunkten um: der Temperatur, die 0 % entspricht, und der Temperatur, die 100 % entspricht. Außerhalb wird auf 0 bzw. 100 % begrenzt; ohne Anforderung steht AP auf 0.
Neustart. Der Baustein merkt sich nichts über einen Neustart hinweg - das ist Absicht. Die Anforderungen bilden sich in einem Zyklus neu, laufende Verzögerungen und ein laufender Nachlauf beginnen von vorn.

Beispiel

Ein Haus mit zwei Heizkreisen und einer Warmwasserladung. Die Anzahl der Anforderungen steht auf 3.

Anforderung 1 heißt "Heizkreis EG", Überhöhung 0 K, kein Vorrang. Anforderung 2 heißt "Heizkreis OG", ebenso. Anforderung 3 heißt "Warmwasser", Überhöhung 5 K, Vorrang unterdrückend, Maximaldauer 120 min. Anforderung minimal 20 °, maximal 75 °, Nachlaufzeit 120 s.

Beide Heizkreise fordern an, das Erdgeschoß 38 °, das Obergeschoß 42 °. AN steht auf 1, AT auf 42, VR auf 0, ST meldet "Heizkreis OG 42.0 C".

Die Warmwasserladung startet und fordert 60 ° an. Der Vorrang greift: AT springt auf 65 ° (60 plus 5 K Überhöhung), VR steht auf 3, ST meldet "Warmwasser 65.0 C (Vorrang)". Die beiden Heizkreise zählen jetzt nicht mehr mit.

Der Boilerfühler fällt aus, die Ladung endet nie. Nach 120 Minuten legt der Baustein den Vorrang still: AT geht wieder auf 65 °, aber jetzt zählen auch die Heizkreise wieder mit, und ST meldet zusätzlich "Vorrang abgelaufen". Das Haus wird weiter geheizt.

Eingänge

FR
Freigabe
Ungleich 0 gibt den Baustein frei, 0 sperrt ihn. Optional. Nicht verknüpft: der Baustein gilt als freigegeben.
SP
Sperren
Ungleich 0 sperrt den Baustein, 0 gibt ihn frei. Gesperrt stehen AN, AP und VR auf 0 und AT auf Anforderung minimal; ein laufender Nachlauf endet sofort. Optional. Nicht verknüpft: nie gesperrt.
A1 - A8
Anforderung 1 - 8
Wärmeanforderung des Verbrauchers als Bit. Ungleich 0 fordert Wärme an, 0 nicht. Wie viele dieser Eingänge es gibt, bestimmt der Parameter Anzahl der Anforderungen. Optional. Nicht verknüpft: dann entscheidet der zugehörige Temperatureingang, ein Wert größer 0 gilt als Anforderung. Sind beide Eingänge unbelegt, zählt diese Anforderung nie mit.
T1 - T8
Anforderung 1 - 8 Temperatur
Gewünschte Vorlauftemperatur dieses Verbrauchers in °C. Die Überhöhung der Anforderung wird darauf aufgeschlagen. Ist das zugehörige Bit verknüpft, wird der Wert nur ausgewertet solange das Bit gesetzt ist; ist das Bit nicht verknüpft, gilt ein Wert größer 0 selbst als Anforderung. Optional. Nicht verknüpft: es gilt 0, die Anforderung wirkt dann nur über ihre Überhöhung und die untere Begrenzung.

Ausgänge

AN
Anforderung
1, solange mindestens eine Anforderung zählt oder der Nachlauf läuft, sonst 0. Gehört an den Eingang AN des Wärmeerzeugers.
AT
Anforderung Temperatur
Maximum der zählenden Anforderungen samt Überhöhung in °C, begrenzt auf Anforderung minimal und maximal. Im Nachlauf bleibt der letzte Wert stehen, ohne Anforderung steht Anforderung minimal an.
AP
Anforderung Prozent
Anforderungstemperatur als Prozentwert zwischen den beiden Stützpunkten, 0 bis 100. Ohne Anforderung 0.
VR
Vorrang aktiv
Nummer der Anforderung, die gerade Vorrang hat - 1 bis 8. 0 heißt, dass keine Anforderung mit Vorrang ansteht.
ST
Statustext
Klartext, wer gerade anfordert und mit welcher Temperatur - zum Beispiel "Warmwasser 65.0 C (Vorrang)", "Heizkreis OG 42.0 C", "kein Bedarf, Nachlauf 120 s" oder "Gesperrt". Braucht eine Variable vom Datentyp Zeichenkette.
WW
Warmwasseranforderung
1 sobald mindestens eine geltende Anforderung der Art Warmwasser ansteht, sonst 0. Gehört auf den gleichnamigen Eingang WW des Wärmeerzeugers: der hebt damit seine Abschaltgrenze über die Außentemperatur auf, damit im Sommer das Warmwasser nicht stehenbleibt. Während der Nachlaufzeit bleibt die Meldung stehen, genau wie die Anforderungstemperatur. Ein unterdrückender Vorrang ändert nichts daran - gemeldet wird, dass eine Warmwasseranforderung ansteht, nicht ob sie gerade bedient wird.

Parameter

Anzahl der Anforderungen
Wie viele Verbraucher ihre Anforderung melden, 2 bis 8. Je Anforderung entstehen zwei Eingänge. Wird die Anzahl verringert, fallen die Eingänge der hinteren Anforderungen samt ihren Verbindungen weg. Vorgabe 4.
Freigabeverzögerung
So lange muss eine Anforderung ununterbrochen anstehen, bevor sie zählt. Vorgabe 0 s, die Anforderung gilt also sofort.
Nachlaufzeit
So lange bleibt die Sammelanforderung stehen, nachdem die letzte Einzelanforderung weggefallen ist. Vorgabe 0 s, also kein Nachlauf.
Anforderung minimal
Untere Begrenzung der Anforderungstemperatur. Sie gilt auch dann, wenn gerade niemand anfordert. Vorgabe 0 °.
Anforderung maximal
Obere Begrenzung der Anforderungstemperatur. Schützt den Erzeuger vor einer zu hohen Anforderung. Ein Wert kleiner oder gleich der unteren Begrenzung begrenzt nicht. Vorgabe 80 °.
Vorrang Maximaldauer
So lange darf ein unterdrückender Vorrang die anderen Anforderungen längstens sperren. 0 schaltet die Begrenzung ab - ein defekter Fühler sperrt die Heizung dann unbegrenzt. Vorgabe 120 min.
Temperatur für 0 %
Anforderungstemperatur, die am Ausgang AP 0 % ergibt. Vorgabe 20 °.
Temperatur für 100 %
Anforderungstemperatur, die am Ausgang AP 100 % ergibt. Dazwischen wird linear gerechnet. Sind beide Stützpunkte gleich, bleibt AP auf 0. Vorgabe 80 °.
Anforderung 1 - 8 Name
Name des Verbrauchers, wie er im Statustext erscheinen soll - zum Beispiel "Warmwasser" oder "Heizkreis EG". Ohne Eintrag steht dort "Anforderung" mit der Nummer.
Anforderung 1 - 8 Überhöhung
Wird auf die gemeldete Temperatur dieser Anforderung aufgeschlagen. Deckt Wärmetauscherverluste und Mischerreserve dieses Verbrauchers ab. Vorgabe 0 K.
Anforderung 1 - 8 Vorrang
Kein Vorrang: die Anforderung zählt wie jede andere. Nur melden: sie erscheint am Ausgang VR und im Statustext, verdrängt aber niemanden. Unterdrückend: solange sie ansteht, zählt nur sie. Vorgabe kein Vorrang.
Anforderung 1 - 8 Art
Wofür der Erzeuger laufen soll. Heizung: die Anforderung zählt nur für die Wärmemenge. Warmwasser: sie erscheint zusätzlich am Ausgang WW. Vorgabe Heizung.

Siehe auch: Wärmeerzeuger, Heiz+Kühlkurve, Heizkreis, Boilerladung, Maximum

Siehe auch allgemeine Parameter aller Funktionsbausteine.